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Die U-Bahn war fast leer. Das war gut so.

Wäre sie voll gewesen, hätte die kleine Gruppe sie wegen Püppi nicht nehmen können. Große Hunde in vollen U-Bahnen waren ein Problem, hatten man für sie keinen Maulkorb dabei. Da half es auch nicht, für sie einen ermässigten Fahrschein zu besitzen.

Die Menschen in der Stadt kennen heute kaum noch das Leben mit Tieren. Selbst wenn ein Hund einmal freudig bellt, reagieren sie oft übertrieben panisch. Das ist schon ziemlich kurios, da Hunde sich das Bellen speziell für den Menschen angewöhnt haben. Von Natur aus bellen sie eigentlich überhaupt nicht.

Nun sassen sie in der U-Bahn und fuhren zum anderen Ende der Stadt. Sie wollten von der Bedrohung, so weit wie möglich entfernt sein. Zwar konnten sie leicht aufgespürt werden. Aber eine grosse Distanz verschaffte ihnen etwas Zeit.
Der kleine Professor würde sie solange jagen, bis sie ausgelöscht oder zumindest gefangen waren. Da waren sich Memba und Marsha sicher.
Püppi wollte auf keinen Fall wieder auf diese üblen Hundewürger treffen. Er wollte die anderen Hunde der Stadt vor ihnen warnen, so dass die Nachricht von der Anwesenheit der Esgana Cãos sich von alleine unter den Hunden Terras verbreiten würde. Sicher rechnete kein Hund mehr mit der Existenz dieser Wesen.

Ihre Existenz war selbst für die Xyrale nur eine alte Legende gewesen. Das hatte sich nun schlagartig geändert. Die Schatten konnten sich nun vor den Hunden schützen.

»Tina, was meinst du? Wie können wir die Kraft des Wasser für uns einsetzen? Wir müssen schnell reagieren und uns gegen den Angriff wehren. Es bleibt kaum Zeit, dass wir uns erst mit der neuen Situation und dem Sein des Wassers anfreunden können. Wir müssen reagieren.«, sprach Marsha Tina an, die aus dem Fenster sah und abwesend wirkte.

»Ich weiß es nicht. Wie sollte ich es auch wissen? Das Wasser ist in uns allen und überall um uns herum. Aber dennoch hat es keine Macht über diese miesen Schatten. Es gibt und nimmt den Lebewesen und mir, wie es ihm gefällt. Wir sind von ihm abhängig und haben keine Möglichkeit, uns ihm zu entziehen. Es wird mich stets nur wissen lassen, was es selbst für richtig hält. Es hat direkten Einfluss auf mich, ich aber nicht auf es. So ist es doch und nicht anders.«, antwortete sie, ohne ihren Blick vom Fenster abzuwenden.

Marsha wusste, das sie recht hatte. Doch das Wasser, es war einsetzbar. Es konnte innerhalb kürzester Zeit überall dorthin jede nur erdenkliche Information verbreiten, wohin es selbst gelangte. Es konnte seine Informationen als Emotionen und in Form von geistigen Bildern verbreiten. Interpretierten die Lebewesen diese dann richtig, so wussten sie, was das Wasser sie wissen lassen wollte. Auch konnte es Schmerzen verursachen, töten, zerstören und das Wetter beeinflussen. Das waren doch bereits alles Möglichkeiten, die man ausnutzen konnte, um die Invasion zu stoppen. Marsha war davon überzeugt, zumindest die feindlichen Xyrale und die Hundewürger damit bekämpfen zu können.

»Tina, wir sollten uns überlegen, was wir den Menschen Terras sagen wollen, um sie vor der Bedrohung zu warnen. Das wäre doch zumindest ein Anfang.«, meinte Marsha.

Memba nickt nur und sah Tina auffordernd an.

»Lasst sie doch in Ruhe. Sie hat viel zu verarbeiten. Jetzt erwarten alle von ihr, dass sie Wunder vollbringen soll. Das ist ja klasse.«, gab Marani in die Runde.

Er sass neben Tina und sah Memba und Marsha ernst an. Memba gefiel es, wenn Marani ernst wurde. Er wirkte dann irgendwie männlicher.

»Wenn die Hundewürger sie erwischt haben und an ihrer Leiche nagen, dann wird sie Ruhe genug haben, um alles zu verarbeiten.«, erwiderte Marsha frech.

Ihr ging diese sanftmütige Tour von Tina und Marani auf die Nerven. Offenbar hatten beide noch immer nicht verinnerlicht, dass sie sich im Krieg befanden. Es ging hier nicht nur um die Existenz der Menschen von Terra und ihr eigenes Leben. Nein, auch zahlreiche andere Erdäen mit ihren Lebewesen und Kulturen würden in das Visier der ambalosischen Invasion geraten.

Sie dachte da sofort auch an das Erdäum Karakum und an Membas Familie. Es war schrecklich, was die arme Memba dort durchmachen musste. Die über alles geliebte Mutter und der kleine Bruder waren tot, das Schicksal des grossen Bruders und des geschätzten Vaters, es war ungewiss.
Tina und Marani mussten endlich begreifen, wie ernst die Lage war und was auf dem Spiel stand.

Die U-Bahn rauschte durch die Dunkelheit. Nur einige wenige Fahrgäste waren im Abteil. Sie waren auf dem Weg nach Hause, hatten zumeist Feierabend und wollten nur noch zu ihrer Familie. Keiner von ihnen ahnte, was zur Zeit wirklich in ihrer Stadt geschah.

Plötzlich bremste die Bahn massiv ab. Es war ein lautes, kreischendes Geräusch zu hören, dem ein lautes Krachen folgte. Der ganze Zug schien zu vibrieren.

Die U-Bahn hielt.

Sie stand mitten in der Finsternis, genau zwischen zwei Haltestellen. Nur wenige Lampen an der Decke brachten notdürftig ein wenig Licht. Sie waren in dem Tunnel eingesperrt.

Sofort erkannte Marsha die Gefahr und wies die kleine Gruppe an, den Zug rasch zu verlassen. Püppi begriff ebenfalls sofort die Gefahr und führte die Gruppe im Tunnel an. Die anderen Fahrgäste waren aufgeregt und verstanden nicht, warum die U-Bahn plötzlich gestoppt hatte.

Als die Gruppe bei der Zugmaschine ankam, wurde ihnen klar, warum sie gehalten hatte.

Die Zugmaschine schien bis fast zur Hälfte, in einer lichtundurchlässigen Finsternis gefangen. Kein einziger Lichtstrahl der strahlenden Neonröhren im Tunnel schaffte es durch diese bizarre Wand der Finsternis zu gelangen.

Sofort war allen klar, was sie sahen und hier geschehen war.
Umbrae Mortis hatten den Tunnel besetzt.

Die kleine Gruppe floh in die entgegen gesetzte Richtung. Sie rannten an der Seite des Zuges vorbei, um durch die Tunnelröhre zu entkommen.

Sie hatten Glück. Hinter dem Zug war die Sicht noch frei.

Grosse Eile war geboten, um der Situation zu entkommen, da die Umbrae Mortis wohl nicht lange benötigen würden, um die beiden Xyrale zu entdecken. Hier im Tunnel hatten sie gegen die Schatten keine Chance. Selbst mit Püppis Hilfe waren sie den Schatten ausgeliefert. Es gab also nur die Flucht für sie. Doch selbst eine Flucht, sie konnte nur so unauffällig, wie möglich, erfolgen. Ihre Gegner wussten immerhin von ihrer Anwesenheit. Warum hatten sie sonst genau diese U-Bahn angehalten?

Marsha ahnte, dass sie in der Falle sassen. Zudem gab es so gut, wie kein Wasser hier unten im Schacht. Das konnte einfach kein Zufall gewesen sein. Mit Sicherheit steckte dieser Xyral dahinter, dieser kleine Professor. Auch wenn er in Terra bereits alt war und sicherlich kaum Einfluss auf das Xyralum mehr besass, so schien er jedoch so erfahren und klug genug zu sein, um die Invasion in diesem Land an zu führen.

Püppi fand den Notausgang zuerst.
Die vier Menschen hasteten die Treppe hinauf.

Als sie oben an kamen, fanden sie sich auf einem gut gefüllten Bahnsteig wieder. Hier waren viele junge Pendler, die auf dem Weg nach Hause waren.
Auch 2 Musiker standen mit ihren Gitarren da und spielten irgend
einen unbekannten Song. So wie die beiden aussahen und sich der Song anhörte, war es wohl eher eine Eigenkomposition. Ohne ein angesehenes Label zu haben, ist Musik eine ziemlich brotlose Kunst.

Sie versuchten sich nichts anmerken zu lassen und suchten den Ausgang vom Bahnhof. Den U-Bahnhof mussten sie rasch verlassen, wollten sie weiteren Ärger vermeiden.

Als sie am Fuss der beiden Rolltreppen ankamen, sahen sie dort, wie von oben einige Männer auf sie zu fuhren, die nicht wirklich nach Fahrgästen aussahen. Püppi stellte sich sogleich sein Nackenfell auf.

»Wir nehmen die Rolltreppe am anderen Ende!«, rief Marsha den anderen zu und drängte sich zwischen den Menschen hindurch.

Offenbar hatten die Männer sie bemerkt, so dass sie die Treppe hinunter hasteten.
Püppi zog Marsha durch die Menge. Die anderen versuchten ihr zu folgen.

Doch als sie die andere Rolltreppe entdeckten, erkannte Marani den kleinen Professor.
Er stand oben an der Rolltreppe und gab einigen Männern verschiedene Handzeichen.

Jetzt wurde es eng für die Gruppe.
Doch würde der kleine Professor eine Auseinandersetzung inmitten der Menschenmassen wagen? Daraus würde sich dann vielleicht ein offener Krieg entwickeln. Diesen konnte er zu diesem Zeitpunkt einfach nicht wollen. So viel war ihm die kleine Gruppe mit Sicherheit nicht wert...oder doch?



Als die untergehende Sonne den Himmel rot einzufärben schien, erwachte Bina aus ihrem Schlaf.

Jan sass an ihrem Bett und lächelte sie an. Er kam sogleich zu ihr herunter und küsste sie mit warmen Lippen auf den Mund.
Er roch gut.
Endlich roch Jan wieder gut.
Wie sehr hatte Bina das vermisst.

Alles war ruhig und friedlich im Haus.
Das Feuer knisterte.
Es roch nach frischem Brot.
Hatte Bina alles nur geträumt?
Die Schrecken der letzten Tage, waren sie alle nur Einbildung?

Sie setze sich auf und sah sich in ihrem Haus um. Am Tisch sass Naham. Er war aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht und nippte an einem heissen Tee. Seine Hände zitterten. Es war also doch nicht nur ein Traum gewesen.

»Jan, sind wir noch in Gefahr? Diese Kreaturen, sie suchen dich.«, meinte sie zu Jan.

Ihre Stimme klang seltsam heiser.

»Wir sind zunächst in Sicherheit, Bina. Bleib ganz ruhig. Werde erst einmal wach. Dann erkläre ich dir, was ich erlebt habe.«, beruhigte sie Jan.

Naham dreht sich um und blickte zu ihnen herüber. Er sah nicht wirklich glücklich aus.
Sein ganzes Gesicht war voller grüner und blauer Flecken.
Aber immerhin lebte er noch, was man von seinen beiden Freunden nicht mehr behaupten konnte. Doch Jan hatte die Überreste der Leichen vor dem Haus bereits begraben und die Spuren, so gut es eben ging, beseitigt.
Es konnte gut sein, dass man im Dorf die drei Burschen vermissen würde. Sollte man sie hier suchen, durfte man ihre Leichen nicht sofort finden. Man würde den Überlebenden die Schuld an ihrem Tod geben. Jan kannte das nur zu gut. Die Menschen fragten nicht lange, wenn etwas eindeutig aussah, auch wenn alles sich ganz anders zu getragen hatte. Ihnen dann eine bizarre Geschichte über Xyrale, Hundewürger, Schatten und geisterartige Wesen zu präsentieren, das war da für die Beweisführung ihrer Unschuld sicher nicht förderlich. So erweckte alles den Eindruck, als wäre überhaupt nichts geschehen, sah man von den blauen Flecken bei Naham ab.

»Ich werde aufbrechen und in das Dorf gehen. Dort werde ich erzählen, dass du eine Hagzissa bist, Bina. Du wirst für alles bezahlen, was du hier angerichtet hast.«, drohte Naham der armen Bina.

Jan sah ihn böse an.

»Du wirst nirgendwo hingehen, Naham. Was meinst du, was sie mit dir machen werden, wenn du ihnen das alles erzählst, was du erlebt hast? Sie werden dich ebenso verbrennen, wie sie es mit uns machen würden. Trauen werden sie dir nicht. Dann werden sie auf Nummer sicher gehen und dich ebenfalls töten. Das macht für dich und für uns keinen Sinn.«, fuhr er Naham mit deutlichem Ton an.

»Ich bin ein ordentlicher Mensch. Niemandem habe ich jemals Leid zugefügt. Doch was ich hier erlebt habe, das ist böse Zauberei. Ich kann nicht damit leben und eine Hagzissa decken. Du musst das doch verstehen. Sie hatte dich verhext, zu einem Vergewaltiger gemacht. Hegst du denn keinen Argwohn gegen diese Frau?«

»Nein, Naham, ich liebe diese Frau. Sie mag zwar eine Hagzissa sein. Doch es gibt Mächte, die so gewaltig sind, dass sie eure Welt zerstören können. Eure Welt hat Feinde mit einer solch gewaltigen Macht. Ohne eine Hagzissa, als Wächterin auf dem Zaun zwischen den Welten, da wäre eure Welt bereits verloren. Ihr solltet froh sein, sie zu haben. Auch hat sie mich nicht verhext. Wenn du willst, so kannst du in mir gerne einen Dämon sehen, der in den Körper des Vergewaltigers geschlüpft ist. Ich bin hier, um der Hagzissa zu helfen, eure und damit auch deine Welt zu retten. Wie sonst kannst du dir diese Zauberkugel sonst erklären, mein Freund?«, erklärte Jan seinen Standpunkt und deutete auf das Licht der Hoffnung, das noch immer in einer Ecke des Raumes schwebte, aber nur noch ganz schwach leuchtete. Man musst schon ganz genau hinsehen, um es entdecken zu können. Doch es war tatsächlich noch dort.

»Das mag vielleicht sein. Doch wird euch niemand bei uns Glauben schenken. Das werdet ihr schon sehen. Finden sie mich bei euch, dann werden sie mich ebenso verurteilen, wie sie es mit euch tun werden.«

Jan sah Bina an und lächelte sie seltsam an, dann wandte er sich wieder Naham zu.

»Das ist wohl wahr. Doch wir leben in unsicheren und finsteren Zeiten. Die Feinde dieser Welt werden zurück kommen, und sie werden die Hölle zu euch bringen. Du hast einen ersten Vorgeschmack doch selbst erlebt. Es ist jetzt die Zeit gekommen, ein Heerlager zu errichten, um ihnen begegnen zu können. Um gegen die Soldaten der Hölle zu kämpfen, muss man mit den Waffen des Himmels um zu gehen verstehen. Nicht jeder kann das lernen, Naham. Nur eine Hagzissa trägt das Gespür in sich und kann lernen, diese Waffen zu gebrauchen. Bina ist die erste Soldatin in meinem Heerlager. Doch es werden weitere kommen. Es werden viele sein, die kommen werden, um zu lernen. Auch werden unheimliche Kreaturen des Guten kommen, um euch zu helfen, diese Prüfung zu bestehen. So wird es sein, Naham.«, erzählte Jan und sah dabei nicht gerade aus, als wollte er Naham nur auf den Arm nehmen.

Naham sah ihn jedoch weiterhin ungläubig an.

»Die Leute werden euch hier nicht wollen. Sie werden euer Haus in Brand setzen, ehe auch nur eine Hagzissa fertig ausgebildet ist. «

»Ja, genau da kommst du ins Spiel, verehrter Naham. Du hast gesehen, was auf eure Welt zukommen wird. Sie werden euch versklaven, eure Kultur und euch unterjochen. Ihr werdet ein Leben in Angst führen und eure Kinder werden in ein Leben der Angst hinein geboren werden. Es wird auch nicht die einzige Welt sein, die sie angreifen. Dort draussen gibt es viele andere Welten, die ebenso bedroht sind, wie die eure. Du musst sie abhalten, ihre Verbündeten an zu greifen und sie zu bekämpfen. Es wird deine Aufgabe sein, sie auf den nahenden Krieg vor zu bereiten. Du musst sie lehren, wer Freund und wer Feind ist.«

Naham sah bemitleidenswert aus.
Vielleicht war er für das alles einfach noch zu jung.
Bina zweifelte daran, dass er dieser Aufgabe gerecht werden würde.

»Sie werden mir nicht glauben. Sie werden mich für einen Verrückten halten.«, meinte er kleinlaut.

»Aus diesem Grund wird dir das Licht der Hoffnung helfen. Es wird den Menschen das Vertrauen und die Einsicht in die Köpfe pflanzen. Nur wird es das nicht mit allen Menschen auf einmal anstellen können. Ihr werdet schrittweise vorgehen. Schritt für Schritt werden immer mehr Menschen dir folgen und deinen Lehren ihr Gehör schenken. Unser Weg wird für sie zu einer echten Religion werden. Sie werden Wunder brauchen, die wir ihnen geben werden. Wir werden ihnen zur Seite stehen, wenn der Krieg über sie herein bricht, um sie zu versklaven. Dann irgendwann, werden sie frei sein. Wir alle werden irgendwann frei sein und die Schatten für immer verdrängt haben.«, prophezeite Jan, und Naham gefielen seine Worte. Jedenfalls hatte Jan den Eindruck.
Nur konnte er nicht sagen, ob womöglich das Licht der Hoffnung bereits bei Naham sein Werk verrichtet hatte. Er hatte diese leuchtende Sphäre einfach mit in seinen Plan eingebaut. Dabei wusste er nicht einmal, warum sie überhaupt noch da war.
Eigentlich hätte sie nach seiner Ankunft verschwinden sollen.
Doch nicht alle Absichten Nayas waren ihm bekannt.

Vielleicht hatte die Tigerin seine Hilfelosigkeit erkannt und wollte ihm mit dem Licht der Hoffnung helfen. Aber womöglich war es auch nur eine Art Aufpasser für ihn. Immerhin trug er eine Menge privilegiertes Wissen in sich und Naya traute ihm nicht über den Weg. Nach den neuerlichen Ambitionen einiger Xyrale, da wäre ein wenig Misstrauen nur zu verständlich. Jan dachte an die massiven Störungen des Waagumals, und ihm wurde bei den Gedanken an die Folgen ganz schlecht.

»Also sind wir uns einig?«, fragte er abschliessend Naham.
Naham nickte nur und lächelte plötzlich ganz unerwartet.
Jan sah zuerst in die geweiteten Augen Nahams und dann zum Licht der Hoffnung und schüttelte nur mit seinem Kopf.
Dann ging er zu Bina und nahm sie in den Arm.

»Ich werde noch einmal aufbrechen müssen. Ich habe noch etwas zu erledigen. Das Licht der Hoffnung wird hier bei euch bleiben. Es ist unglaublich mächtig. Sollte es bei euch Schwierigkeiten geben, werde ich davon unmittelbar erfahren. Es wird nicht lange dauern, Bina. Bis zum Morgengrauen werde ich wieder zurück sein. Vertraue mir. Am besten fesselt ihr mich wieder. Dieser andere Jan, er muss ein mieser Wicht sein.«

Bina sah ihn ängstlich an.

»Nein, Jan, ich kann dich nicht wieder gehen lassen. Ich halte das nicht aus. Das kannst du mir nicht antun. Du bist doch erst zurück gekehrt. Ich habe Angst um dich, Jan.«, flehte Bina ihn fast an. Sie hatte noch immer das Bild des falschen Jan vor Augen.

»Doch, es muss sein. Wir leben in schlimmen Zeiten. Es wäre falsch, jetzt nur an uns zu denken. Vertraue mir und dem Licht der Hoffnung. Bina, schau in dein Herz und sei vernünftig, bitte.«

Bina war vernünftig. Sie band ihn am Stuhl fest. Naham half ihr.
Offenbar fand er den Gedanken ganz gut, Jan wieder zu fesseln.
Nur Bina konnte kaum ihre Tränen zurückhalten.

Jan sah dann zum Licht der Hoffnung. Es begann plötzlich intensiver zu leuchten.
Die Luft im Raum schien sich elektrisch aufzuladen. Bina kannte das Phänomen inzwischen gut. Es war das Xyralum, was hier zum Einsatz kam.

Augenblicke später sank der Kopf von Jan auf seine Brust.
Er war weg, der unwissende Jan war zurück geblieben.

»Naham, wir haben keine Zeit. Los, öffne alle Fenster. Das Xyralum muss aus dem Haus. Die Schatten werden gleich wieder hier sein, wenn sie es wahrnehmen.«, fuhr sie Naham an.

Der blickte sich verwirrt um, verstand aber dann sofort.
Sie öffneten alle Fenster und die Tür, um das Haus gut zu lüften.

Danach schlossen sie diese wieder und zündeten zusätzliche Lichter an, die sie sogleich in die Fenster stellten. Kaum hatten sie das getan, bemerkte Bina vor dem Haus ein erstes Huschen. Die Umbrae Mortis, sie waren wieder da. Die Gier nach Xyralum, sie war bei ihnen ungebrochen.

Bina und Naham sahen sich gegenseitig an.

Beide hatten Angst.

Bitte nicht wieder diese Hundewürger.

Jetzt konnten sie nur noch abwarten und hoffen, dass die Schatten nicht in das Haus kamen.

Autor: © Alexander Rossa 2019

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Mein Name ist Alexander Rossa. Ich bin ein 51 Jahre alter Künstler, seit vielen Jahren glücklich verheiratet und habe bereits erwachsene Kinder. Seit gefühlten Ewigkeiten schon, schreibe ich Bücher und Kurzprosa. Neben Phantastik und Fantasy,  schreibe ich auch zu Themen der Hermetik, Philosophie und Sozialwissenschaften. Zudem bin ich beruflich im Online-Business tätig.
 
Eine ausgeprägte Fähigkeit zur Empathie und eine extrem hohe Sensibilität sind das Fundament all meiner Kreativität. Ich habe ein sehr bewegtes Leben mit viel Tragik und Enttäuschungen hinter mir, ein schmerzlicher Umstand, den man in meinen Arbeiten an vielen Stellen wiederfinden wird. Diese Arbeiten sollen Menschen mit ähnlichen Erlebnissen versichern, dass sie nicht alleine in der Welt mit solchen Erfahrungen stehen... 
 

Phantastik, Fantasy und Philosophisches von Alexander Rossa

Das Arbeiten mit der Phantasie und dem Gefühl...

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