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Der Wald der Visionen (Kapitel 3)

Phantastik oder wahre Wunder entscheide selbst bei dem dritten Kapitel vom EBook »Wundervolle Nasha«:

Oft ging ich während der Nacht durch den bereits schon oft erwähnten Wald oberhalb des Mittelrheins. Dieser Wald, er war besonders und zog mich auf eine magische Art und Weise an. Über Jahrhunderte hinweg war er ein Ort der besonderen Kraft. Viele spirituelle Orte und Ritualplätze der verschiedensten Glaubensrichtungen wurden dort erbaut und genutzt. Dessen Ruinen kann man heute noch überall erkennen. Sie belegen seine besondere Anziehungskraft auf die Menschen durch ihre Geschichte. Wohnt man bei oder in diesem seltsamen Wald, so wie ich damals, dann vermochte er viele Menschen in seinen Bann zu ziehen und sie zu faszinieren. So sieht man heute noch immer wieder begeisterte Menschen in der Nacht durch den Wald streifen. Manchmal sind sie seltsam gekleidet, sie scheinen tief in sich gekehrt und in ihren Gedanken vollkommen verloren zu sein. Man erschreckt sich gerne und stark, wenn man nicht mit ihnen rechnet.

So traf ich beispielsweise oft einen jungen Kollegen. Er war in eine Art einfache Kutte gehüllt und mit hölzernen Stab ausgestattet, saß auf einem Hügel und war still in sich gekehrt, um zu meditieren. Ich selbst legte mich immer wieder mitten auf die schmale Landstraße. In der Einsamkeit der Nacht fuhren dort nur selten Autos. Ich liebte es, mir den klaren Sternenhimmel anzusehen. So weit abgelegen vom grellen Licht der Städte, da funkelten sie in einer unbeschreiblichen Pracht. Es kamen die verschiedensten Tiere immer wieder ganz nahe und erstaunlich zutraulich an mich heran, als wollten sie mir Gesellschaft leisten.

Einmal krabbelte ein kleiner Igel aus dem Straßengraben hervor und legte sich direkt an meinen Kopf, als wollte er es mir gleich tun und die Sterne bewundern. Ein richtig süßer, kleiner Kerl war das damals. Traf man auf Rehe im Wald, so blickten diese nur kurz auf, ließen sich jedoch überhaupt nicht durch meine Anwesenheit stören. Dabei trennten uns oft nur wenige Meter. Die Nächte in diesem Wald, sie erschienen mir stets unglaublich friedvoll und harmonisch. Ich fühlte damals ganz tief in mir, dass sich alle Geschöpfe dieses Geheimnis des Waldes miteinander teilten. Es schien fast so, als ob alle Wesen des Waldes sich der Kraft dieses Ortes bewusst waren und sich ihr bereitwillig ergaben. Der Wald vermochte etwas in seinen Lebewesen zu erwecken, was geradezu einzigartig und wunderbar war. Lag man also in der Nacht auf der Landstraße, so wie ich es damals tat, oder suchte man auf eine andere Art und Weise die Nähe und Aufmerksamkeit dieses Ortes, dann geschah etwas Seltsames. Gewährte man dieser mysteriösen Kraft Zugang zum eigenen Geist, so bemerkte man etwas Wundersames: Man erfuhr echte Visionen. Faszinierende Emotionen, sagenhafte Bilder und nie gekannte Gefühle wurden zu einem inneren Feuer entfacht, welches man mit der Zeit und den Wiederholungen einfach nicht mehr zu löschen vermochte.

So sah ich in diesen Visionen die deutsche Wiedervereinigung und die Irak-Kriege lange bevor sie Wirklichkeit wurden. Damals erschienen mir diese Bilder nur als Visionen ohne Bedeutung für mich. Ich wusste damals einfach nicht, was sie zu bedeuten hatten und dachte nicht im Entferntesten daran, dass sie klare Abbilder einer sich erfüllenden Zukunft waren. Es war mir nicht klar, dass ich alles selbst miterleben würde. Nur spürte ich eine ungewöhnliche, fast übernatürliche Kraft, die Einfluss auf mich nahm.

Diese Erlebnisse in jenem Wald, ich habe sie bereits in der Zeit damals als etwas verstanden, was nicht normal sein konnte. Man spürte deutlich, dass eine Tür geöffnet worden war, deren Öffnung unser Leben nicht unwesentlich beeinflussen würde. So hatte man einer Kraft Zugriff auf das eigene Bewusstsein gewährt, die nicht mehr vom Geist ablassen wollte. Das Schlafende in mir, es war geweckt worden. Ich fand mich vor einem neuen Universum stehend wieder. Nicht in der Lage zu begreifen war ich damals, dass dieser geheimnisvolle Wald nur die Tür zu einer Veranlagung in mir selbst geöffnet hatte. Sie hatte mir einen verborgenen Pfad in meinem Geist gezeigt, dem ich zu folgen nun bereit und dessen Ziel nicht erkennbar war. Zwar hatte ich seit meiner Kinderzeit immer wieder diese seltsamen Erfahrungen mit paranormalen Phänomenen gemacht, doch der wahren Kraft meiner Begabung war ich mir nie so richtig bewusst. Das Öffnen jener Tür in mir, es war, als würde ich mich in ein schier endloses Netzwerk einer anderen Welt einklinken. Plötzlich erstreckte sich vor mir ein weites Land, welches meine bisherige Realität völlig umhüllte und sie durchdrang. Es schloss sie förmlich ein, als wäre sie nur eine kleine Luftblase in einem riesigen Ozean einer Welt voller Ozeane. Das war ungemein faszinierend für mich. Ich fühlte mich kräftig, motiviert, war aber auch jugendlich naiv und unbekümmert. So schien es mir eine Entdeckung zu sein, aber mehr noch eine Art Spiel. Ich sah alle Erlebnisse nur aus meiner Sicht und verfolgte alles aus einer konzentrischen Perspektive. Jedoch bemerkte ich damals nicht, dass man durch dieses Öffnen der Tür zu einer anderen Welt, auch auf mich aufmerksam werden konnte. Jedes bewusste Handeln zwischen und in den Welten, es ist immer mehrseitig und daher stets auffällig. Einfach anzunehmen, wir wären alleine im Universum, das ist nur zu menschlich, arrogant und eine regelrechte Schande in der Geschichte des menschlichen Intellekts.

Wir sind nicht alleine. Niemals waren wir das. Nur sind wir Menschen noch zu sehr unterentwickelt, zu spirituell eingeschlossen und von uns selbst zu sehr überzeugt, als bemerken zu können, dass der Weltenraum voller Leben und Lebensformen ist, die neben, durch, wie auch in und mit uns sind. Sie nehmen kaum Notiz von uns. Wir sind zu sehr mit uns Menschen selbst beschäftigt.

Wir sind für sie daher unscheinbar. Doch sie sind da. Sie sind immer da, und sie sind überall und jederzeit.

Viele wissen von dem, was geschehen wird und sind in gespannter Erwartung dessen, was geschieht. So sind sie immer genau dort, wo sich die Türen öffnen und ein Kontakt möglich wird. Kein Wunder also ist es, dass die Menschen an allmächtige Götter glauben, da sie bei allen ihren Betrachtungen stets nur von ihren eigenen Möglichkeiten ausgehen. Andere Wesen scheinen da wesentlich effizienter zu sein. Heute wissen diese Kreaturen von mir und ich, ich selbst weiß von ihnen. Dieses gegenseitige Wissen, es verbindet uns auf eine ganz wundersame Weise.

Autor: © Alexander Rossa 2019

Inhaltsverzeichnis zum kostenlosen Ebook: Wundervolle Nasha

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